Heimfreude

Wie idyllisch San Francisco liegt, konnten wir gleich bei unserer Ankunft an der Golden Gate Bridge bewundern. Zwar hing über der Bucht, der Stadt und der mitten in der Bucht liegenden Gefängnisinsel Alcatraz ein Nebelschleier, der legte aber einen Hauch von Mystik über die Stadt.

Bei den für uns erstmals frischen Temperaturen um die 10 Grad wagten wir uns dennoch auf die Brücke und spürten neben dem Wind auch die Vibrationen, die die vorbeifahrenden Autos auslösten. Sehr lang hält man den dazu herrschenden Krach aber nicht aus. 

Unser Hotel liegt in der Lombard Street, die am vermeintlichen Ende recht steil ansteigt um danach gleich noch steiler in der berühmten Serpentine wieder bergab zu führen. Zwischen den gerade blattlosen aber austreibenden Hortensienbüschen und vielen Touristen schlängeln sich endlos Autos hinunter.

Uns treibt es wieder zu den Tieren, die uns in Kalifornien begleiten. Aber am Pier 39 machen es sich nur wenige Seehunde gemütlich. Von wenigen einzelnen bis zu Hunderten belegen sie gern die extra für sie reservierten Plattformen vor dem Pier, geschützt vor Fressfeinden durch den niedrigen Wasserstand und mit genug Futterangebot in der Bucht. 

Die hügeligen Straßen, die wir aus Filmen oder Serien mit sensationellen Verfolgungsjagenden und fliegenden Autos kennen, sind faszinierend. Die Menschen hier können wirklich froh sein, dass sie keine Eisglätte kennen. Laufend wie fahrend sind sie ein anstrengendes Auf-und-Ab-Erlebnis. Vom 64 Meter hohen Coit Turm auf dem Telegraph Hill hatten wir einen tollen und dieses Mal klaren Rundumblick auf die Stadt und die Bucht. Von der Ferne sehen wir rote Flaggen auf den Häusern, die unser nächstes Ziel markieren. Chinatown ist noch geschmückt, denn das chinesische Neujahrsfest wurde vor ein paar Tagen gefeiert. 

San Francisco wurde auch aus dem Goldrausch geboren, der mit dem ersten Goldfund 1848 begann. Isabel Allende verarbeitete das in ihren Romanen. Heute zeugen die viktorianischen Häuser von der Geschichte der Stadt, die auch Erdbeben und Brände erleben musste. Sie und die hügeligen Straßen machen die Stadt sympatisch und liebenswert. 

Einen letzten Overnight-Stop legen wir in New York ein. Wieder sind wir der Heimat und dem Winter ein Stückchen näher gekommen. 

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans … können wir nun nicht mehr singen. 

Der Abschied vom kalten, grauen New York und damit einer etwas mehr als 11-wöchigen Reise fällt hier nicht schwer. 

Meine Aufnahmefähigkeit für neue Eindrücke ist auch erschöpft. Es ist ein komisches Gefühl. Auch wenn ich eigentlich gern reise, kommt irgendwann der Punkt, da ist es genug und die Heimat fehlt. Mirko könnte ewig reisen, dabei aber öfter mal nur die Füße in den Sand stecken.

Erholung gab es unterwegs sicher genug, auch wenn die letzten Tage nicht unanstregend waren.  Ich freue mich auf daheim, meine Familie und Freunde. Auf den Frühling.

Tierisches Kalifornien

Der Weg an der kalifornischen Westküste auf dem Highway 1 ist für viele ein Traum. Eigentlich soll man ihn von Nord nach Süd fahren wegen der Nähe zum Meer und des besseren Blicks. Wir wollten lieber mit den fallenden Temperaturen fahren und so führte uns der Weg vom noch angenehmen Los Angeles ins kühlere San Francisco. 

Wir begannen mit auf dem Weg liegenden Stopps in Los Angeles. Die Getty Villa ist ein Nachbau eines italienischen Prachtbaus, der von einem Ölmagnat für seine Kunstsammlung geschaffen wurde. Uns erinnert es an den Sommerpalast Generalife in der andalusischen Alhambra. Es blühten schon Narzissen im Garten, die mich auf den Frühling in der Heimat freuen lassen.

Danach führt der Highway 1 über 7 Meilen direkt an den Häusern von Malibu vorbei und wir haben eine Weile gebraucht, um einen Zugang zum Strand zu finden. Man kann schon wirklich schön wohnen hier. Die Baywatch-Crew aus den 90ern sahen wir leider nicht. Aber die auf der Reise bereits besuchten Strände am Pazifik brauchen sich mit ihren dort ansässigen und gut trainierten RetterInnen nicht zu verstecken. 

Zugegeben waren wir auf unserem Roadtrip auch etwas shoppen, aber nur um für die folgenden kühlen Städte gewappnet zu sein.

Tatsächlich scheinen die Amerikaner ihr Dinner recht früh einzunehmen, denn bei unserer Ankunft in Morry Bay kurz vor 20 Uhr hatten wir Pech mit Restaurants. So musste eine Tüte Popcorn, ein Apfel und eine Banane eben als Abendessen reichen. Dafür erwartete uns zum Frühstück eine frische Zimtschnecke  vom Bäcker nebenan, die wir mit Blick auf die sich im Wasser spielend vergnügenden Otter vertilgten. Die Mütter schwammen auf dem Rücken und transportierten so ihre Jungen. Es folgte auch mal eine Rolle im Wasser. Putzig, die Racker. Genauso tierisch sollte es weitergehen. Nicht nur die Uferseite ist interessant, auch die Landseite bietet Blick auf gerade bestellte fruchtbare Felder, felsige Steilküsten, aromatisch duftenden Eukalyptus- und Zypressenwald und sanfte grüne Hügel, auf welchen neben Rindern auch Zebras grasen. 

Ziemlich bald ist ein Pier im Wasser erkennbar und wir machen kurz Halt. Wir sehen die ersten drei See-Elefanten am Ufer liegen und viele Schilder, die Hinweise und Informationen zu den größten Robben der Welt geben. Ein paar Meilen weiter liegen Tausende von ihnen mit ihren Jungen. Zwischen der Masse der Tieren ist gut was los. Um Platz streitende Weibchen, säugende Mütter, unbeholfene Junge, Sand schaufelnde und werfende Tiere sowie paarungsbereite Männchen. Wir schauten eine ganze Weile den verschiedenen Aktionen zu bis uns ein Herr auf ein Weibchen dicht am Meer mit Wehen aufmerksam macht. Es war ein besonderes Erlebnis dabei zuzusehen, wie eine kleine Robbe das Licht der Welt erblickt.

Natürlich sollte bei einem Roadtrip eher der Weg das Ziel sein. Wir haben einige Aussichtspunkte an der Strecke genutzt, aber wir mussten aus Zeitmangel tolle Orte links und rechts liegen lassen.

Mirko hatte Spaß am Mustang fahren und unser Ziel San Francisco begeisterte uns. 

Die weite Welt…manchmal ganz nah.