Honolulu Downtown

Der Flugverkehr über Honolulu ist gewaltig. Unsere Maschine wartete beim Abflug auf Kauai etwas und flog über Honolulu noch eine Runde, weil der Zeitpunkt zum Landen noch nicht passte. Wir schlafen dieses Mal in der Nähe des Flughafens. Das ist für die Anfahrt zum Hotel und die Abreise recht praktisch. Ganz so komfortabel ist es nicht und leider auch nicht günstig, aber wir haben zu kurzfristig gebucht. Wir haben uns arrangiert und nach der Ankunft in Honolulu aufgrund der kurzen Wege sogar noch einen kleinen Rundgang im Besucherzentrum von Pearl Harbour geschafft. Der ist kostenlos und führt über das Gelände des japanischen Angriffs auf die amerikanische Militärbasis am 7. Dezember 1941, der den offiziellen Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg markiert. Weiter Eintauchen und die verschiedenen einzelnen Museen, U-Boote, Gedenkstätten usw. besuchen wollten wir nicht. Nebenan essen wir zu Abend und freuen uns über den Blick auf den Sonnenuntergang. 

Für Freitag habe ich uns in der Kamaka-Ukulele-Manufaktur für eine Tour angemeldet. Dort angekommen entschuldigt man sich, dass diese Woche keine Touren stattfinden, weil der Geschäftsführer kurzfristig zur Messe in Kalifornien ist. Ich zeige meine Bestätigung-Email vom November und nach kurzer Rücksprache mit dem Office-Manager und weiteren vier Gästen dürfen wir den eben angekommenen Gründersohn der Manufaktur mit seinen 95 Jahren lauschen, wie sein Vater die Fabrik aufbaute und er und sein Bruder ganz selbstverständlich in den Ukulelebau reinwuchsen. In der Werkstatt sind etwa 10 Leute beschäftigt aus einen Stück Koa-Holz (ein endemisches Gehölz auf Hawaii) ein kleines musikalisches Kunstwerk zu schaffen, dass seinen Preis ab 1.000 Dollar wert ist. Hauptabnehmer ist Japan und weiter der asiatische Raum. 

Von der Manufaktur ist es nur ein Katzensprung zum Iolani-Palast, die ehemalige Residenz der Könige von Hawaii. Die vielen Menschen davor irritieren uns etwas und wir brauchen eine Weile, um den Sinn zu begreifen. Heute ist der 17. Januar. An diesem Tag im Jahr 1893 wurde die letzte hawaiianische Königin Liliʻuokalani gestürzt und im folgenden Jahr die Republik Hawaii gebildet, die bis zur Annexion durch die Vereinigten Staaten 1898 bestand.

1959 wurde Hawaii der 50. Bundesstaat der USA – nur 181 Jahre nachdem James Cook das erste Mal die bis dahin mehrere Jahrhunderte isolierten Inseln betrat. 

Auffällig ist auf den Fotos sicherlich die Flagge, die viele in der Hand halten. Die Farben sind die amerikanischen, aber sonst unterscheidet sich die Flagge Hawaiis, die mit der Einführung 1816 eine der ältesten unverändert gebrauchten der Welt ist, doch sehr von der der USA. Die acht Querstreifen in weiß, rot und blau stehen für die 8 Hauptinseln der Inselgruppe und in der oberen linken Ecke befindet sich der Union Jack.

Mit dem Gedenken an den Sturz Lili’uokalanis machen die Hawaiianer auch ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit deutlich. Chöre von Schulkinder singen hawaiianische Lieder, die von der Königin komponiert wurden und wir bekommen Gänsehaut. 

Es mutet wie eine kleine Prozession an. 

Der Palast ist umgeben von Wolkenkratzern. Wir durchlaufen einige Häuserschluchten und haben schnell Chinatown erreicht. Die niedrigen Häuser mit chinesischen Schriftzeichen laden ein zum Bummel. Mirko kauft mir ein Lei (Blumengirlande) aus weißen Orchideen und Nelken, die süßlich duften. Er kommt aus dem Kühlschrank und es fühlt sich am Hals super erfrischend an. Es gibt dazu einige Regeln: einen Lei legt man sich nie selber an, sondern bekommt ihn als Zeichen der Zuneigung umgehängt. Man gibt die Blüten der Natur wieder und wirft sie nicht in den Müll. Die Orchideenblüten sind auch essbar und oft als Garnierung auf dem Essen. Sie sind knackig wie Salat.

Und in Chinatown kaufen wir uns natürlich noch etwas anderes leckeres: eine gemischte Poke Bowl. Ich glaube, ich habe noch nie so viel rohen Fisch gegessen wie auf dieser Reise. Der Ahi (Gelbflossen-Thun) ist aber auch lecker. Da kann der Lachs und Mahimahi (Goldmakrele) nicht mithalten. 
Der Nationalfisch von Hawai’i heißt übrigens Humuhumunukunuku’apua’a (Diamant-Picasso-Drückerfisch). In der Theke haben wir ihn aber nirgends gefunden.

Vom Aloha-Tower am Hafen, der früher mit dem Schiff Anreisende und heute Kreuzfahrer in Honolulu begrüßt, genießen wir die Aussicht auf die Berge nach Norden und in Richtung Waikiki nach Osten. 

Es ist erst Nachmittag und wir entschließen uns, die Insel nach Osten zu erkunden. Tolle Buchten reihen sich aneinander, aber Niesel und Wind machen die Ostküste zu einem stürmischen Erlebnis. Unglaublich viele Städte sehen wir in der Karte. Auf Oahu leben drei Viertel aller Hawaiianer, das erklärt die Dichte an Ortschaften. 

Zum Sonnenuntergang fällt uns wieder ein, dass freitags das Hilton am Waikiki–Beach ein Feuerwerk veranstaltet. Ich schau schnell nach und wir haben noch 1,5 Stunden Zeit bis kurz vor 20 Uhr. Wir suchen uns einen günstigen Parkplatz und können vom Ala Moana Regional Park in die Bucht und auf das Feuerwerk schauen. Ein toller Abschluss des Tages. 

Kaua’i

Kauai macht seinem Ruf alle Ehre. Als grüne Garteninsel muss es hier ja viel regnen. Seit unserer Ankunft am Samstag ist das jedenfalls meistens so.

Passend dazu waren wir auch auf dem Schildvulkan Waialeale – einem der nassesten Orte der Erde. 

Das Meer ist vom Wind ordentlich aufgewühlt und am Strand unseres Hotels an der Ostküste liegen riesige Treibholzstücke und manchmal auch eine hawaiianische Mönchsrobbe wie an unserem Ankunftsabend. 

Wir lassen uns trotzdem von der Erkundung der Insel nicht abhalten. Mit dem Jeep kommen wir überall lang. Wir wollen es am Sonntag Richtung Süden und dann Norden probieren. Der Waimea Canyon gilt als der Grand Canyon Hawaiis. Wir wollen trotz Unkenntnis des Canyons auf dem Festland fast meinen, dass dies hier der schönere ist. Selbst bei ganz wenigen Sonnenstrahlen leuchtet die rote Erde der Felsformationen. Mit den tosenden Wasserfällen und dem frischen Grün überall möchte man ewig rumschauen und Neues entdecken. An der Straße, die sich über 20 Meilen auf gut 1.080 Metern bis zum Kalalau und Puu’O’Kila Lookout hinaufschlängelt, kann man einige Wege wandern. Aber bei dem Regenwetter sind die Wege aus roter Erde aufgeweicht, die Wurzeln glatt und wenn man bei dem Gefälle auch nicht ausrutscht, sieht man danach aus wie eine kleine Sau.

An den höchsten Aussichtspunkten – dabei der Waialeale – erhielten wir nur kurz einen Einblick ins berühmte rot-grüne Kalalau-Valley, ansonsten Nebel und Niesel. 

Leider war am Montag das gleiche trübe und nasse Wetter bei der Fahrt in den Nordwesten mit dem eigentlichen Ziel des berühmten Kalalau Trails, welches wir dann schnell aufgaben. Immerhin kamen wir in Hanalei vorbei und fühlten uns bei dem Wetter wie im Film „The Descendants“, der unter anderem hier gedreht wurde. Wir fanden die Bar, den Strand und das Cottage am Strand aus dem Film mit George Clooney. Ich sag gleich vorab, der Film ist traurig, aber mit tollen Bildern und auch ein wenig Geschichte zu Hawaii.

Der Weg in den Nordwesten wurde begleitet von Wartezeiten an den Baustellen wegen Erdrutschen, die die Regenfälle der letzten Tage verursacht haben. Wieder gibt es nur diese eine Straße, die auch nicht durchgängig um die Insel führt, da die spektakulären Klippen und Felsen der Napali Coast im Nordwesten eine Verbindung unmöglich macht. 

Während wir an den Baustellen warten, können wir den Regenwald um uns herum bestaunen: riesige Akazien überschauen alles, Monstera klettert über viele Meter an den Bäumen hoch, Mangobäume, Gummibäume und wieder riesige Büsche unserer Zimmerpflanzenvarianten wie Bogenhanf, Calathea, Efeutute und Feuerpalme. Wir fahren vorbei an Taro-Feldern. Es ist ein typisches Essen Polynesiens. Wir haben es auch in Fidschi kennengelernt. 

Und natürlich der Hibiskus als Nationalblume Hawaiis wächst hier in allen erdenklichen Farben bis hin zu mehrfarbigen und gefüllten Blüten. 

Wasserfälle, frisches Grün auf roter Erde, kleine Städte und lange Strände so können wir Kauai beschreiben. Auch ein bisschen wild, denn ein Wildschwein quert auch mal die Straße. Ansonsten sind auffällig oder vielmehr unglaublich viele wunderschön gefiederte Hähne überall anzutreffen. Sie laufen dem hawaiianischen Nationalvogel der Hawaiigans – auch Nene genannt – den Rang ab. Es gibt auch ein paar Hennen dazu, die sind aber gefühlt in der Unterzahl. 

Wir fahren einfach ein bisschen runter. Wir hatten uns die Tage auf Kauai anders vorgestellt, aber es macht uns nichts aus, den Regen hinzunehmen. 

Ich habe heute gemerkt, dass ich gar nicht mehr schnell gehen kann. Muss ich ja auch nicht. Wir haben keine Termine. Gerade mal die Yogastunde am Morgen, die das Hotel am Strand oder im Foyer je nach Wetterlage anbietet, und die Dämmerung sind feste Fixpunkte an unserem Tag. Dazwischen nehmen wir die Insel wie sie ist und bleiben im Auto sitzen, wenn es uns zu sehr regnet. 

Eigentlich wäre ich gern noch geblieben, aber die letzten Tage in Hawaii verbringen wir auf Oahu. Wir wollen Honolulu mit seinen anderen Stadtteilen kennenlernen und die Insel mit dem Auto erkunden. 

Kauai verabschiedet sich heute von uns mit Sonnenschein. Wenn das nicht dem Sonnengruß am Strand zu verdanken ist. 

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Kauai

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Kauai 21.981100, -159.371000

Die weite Welt…manchmal ganz nah.